Film

Baamum Nafi - Nafi's Father

Senegal, 2019, R.: Mamadou Dia, 110 Min., OF, engl. UT

Tierno ist ein Traditionalist, der seine Pflichten als Imam in seiner Gemeinde im Norden Senegals mit sanfter Hand wahrnimmt. Sein Bruder Ousmane ist ein einflussreicher Bürgermeisterkandidat, der die Gelegenheit sieht, einen radikalen, politischen Islam mit Hilfe einer fundamentalistischen Gruppe durchzusetzen. Ousmane verlangt von seinem Sohn, Nafi, die Tochter des Imams zu heiraten. Die Brautfamilie wird mit teuren Geschenken überhäuft und Nafi bekommt einen Gesichtsschleier überreicht. Als der Familienrat tagt, willigen beide Jugendlichen ein zu heiraten. Sie haben ein gutes Verhältnis untereinander und hoffen, dass sie danach in der Hauptstadt Dakar selbstbestimmt ihre beruflichen Zukunftsträume realisieren können. Doch die Situation im Ort wird durch die islamistischen, gewalttätigen Banden immer bedrohlicher und Nafis Vater versucht verzweifelt, Tochter und Schwiegersohn zu retten. Der Film untersucht mit Subtilität und Melancholie am Beispiel der sich bekämpfenden Brüder, inwiefern in der heutigen Zeit in strenggläubigen Gemeinden der Erfolg des Fundamentalismus mit Macht- und Kontrollverlusten zusammenhängt.
Mamadou Dia, geboren in Senegal, studierte Kunst an der „Tisch School of Arts“ in New York. Sein Kurzfilm „Samedi Cinema“ kam 2016 in die offizielle Auswahl der Filmfestivals von Venedig und Toronto. Sein Langfilmdebüt „Baamun Nafi“ wurde beim Locarno Filmfestival 2019 sowohl mit dem Preis für das beste Erstlingswerk als auch mit dem Hauptpreis der Sektion “Filmmakers of the Present“ ausgezeichnet.