Vorwort 2022

Liebe Freundinnen und Freunde des afrikanischen Films,

zum 11. Mal öffnen sich ab dem 3. November die Türen des Studio-Kinos mit einer spannenden Auswahl von Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen aus mehr als 20 afrikanischen Ländern.
Die Themen der meisten Filme spiegeln schwierige Lebenssituationen der Menschen wider, den mühsamen Kampf, um aus einer häufig gesellschaftlich oder ökonomisch bedingten Notlage herauszukommen.
Im Zentrum steht nach wie vor die ökonomische und soziale Situation der Frauen. So müssen sich in den Filmen „Adam“ und „Lingui“ die Mütter mit der Ächtung ihrer unehelichen Kinder auseinandersetzen. Arrangierte Ehen gegen den Willen der Mädchen zeigt der Film „Atlantique“ und den Weg in die Prostitution, um zu überleben, der Film „Freda“ jeweils in eindringlichen Bildern.
Oft helfen nur strikte Solidarität der Frauen untereinander oder die Liebe zweier Menschen, um sich aus einer brutalen, ausweglosen Situation zu retten, wie in „The Gravedigger’s Wife“.
Manchmal hilft dann auch der Glaube an magische Kräfte. Dies wird auf ironische Art in „Juju Stories“ vorgeführt. An alte afrikanische Erzählkunst anknüpfend wird in einem Gefängnis versucht, einen tödlichen Machtkampf zu verhindern („Night of the Kings“).
Das Verlangen nach besserer Schulbildung wird in den Filmen „If You Are a Man“ und „School of Hope“ aufgegriffen und eindringlich dokumentiert.
In „The White Line“ und „Tug of War werden Liebesgeschichten vor dem Hintergrund von Rassismus geprägter Gesellschaften als Dramen inszeniert.
Zwei Filme behandeln in eindringlichen Bildern die schwierige Rolle der Männer in patriarchalisch organisierten Gesellschaften: „Father’s Day“ und „Zinder“, während der Mann in der herrlichen Komödie „Feathers“ nichts zu lachen hat.
Der koloniale Blick auf Afrika wird in dem Dokumentarfilm „Kumbuka“ auf viel­­­schicht­ige Art und Weise untersucht.
Und schließlich führt die charismatische Sängerin Césaria Evora von den Kapverden vor, wie eine Frau auch in einer armen traditionellen Gesellschaft als „Star“ ein einfaches und selbstbestimmtes Leben führen kann, frei von gesellschaftlichen Zwängen.
Wir wollen mit hochkarätigen Gästen und Kennern des afrikanischen Films auf einer Podiumsdiskussion Themenwahl, Machart und Produktionsbedingungen afrika­nischer Filme untersuchen.
Zusätzlich wird an vier Tagen an zwei verschiedenen Standorten ein 360°-VR-Dokumentarfilm mit entsprechenden Brillen zu sehen sein: „Water & Coltan”. Den unbarmherzigen Arbeitsbedingungen der Menschen in Coltan-Minen im Kongo werden die ehemaligen Bergbaugebiete im Ruhrgebiet im starken Kontrast gegenübergestellt. Die Vorführungen beginnen schon am 1.11. zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung im Hamburg Haus Eimsbüttel in Anwesenheit der Macher.
Voller Freude haben wir vor Kurzem erfahren, dass uns für unser Filmfestival der Max-Brauer-Preis 2022 der Alfred Toepfer Stiftung zuerkannt wurde. Es freut uns sehr, dass unser langjähriges Engagement auf diese Weise geehrt wird. Der
Max-Brauer-Preis wird seit 1993 an Persönlichkeiten und Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen. Er ermutigt Akteure, die das kulturelle, wissenschaftliche oder geistige Leben Hamburgs mit ihrem Engagement prägen.
Mit afrikanischen Snacks und Wein werden wir am 3.11. unser Festival wie gewohnt im Studio-Kino eröffnen. Seid herzlich willkommen!

Die Vorbereitungsgruppe
„Augen Blicke Afrika“:
Burkhard Leber, Ingrid ­Wernich,

Rolf Denkewitz, Cosima Conrad,
Hans-Jörg Heinrich