Nachlese 2018

Nachlese zu unserem afrikanischen Kultur- und Filmfestival 2018

Unser diesjähriges Festival stand unter dem Motto Aufbruch in Afrika: Protestbewegungen in den Kunst- und Kulturszenen afrikanischer Metropolen und die Zukunft Afrikas.

 

Vorbereitung

Die Entwicklung des Projektes dauerte zweieinhalb Jahre.

Grundidee war es, in diesem Jahr über den Rahmen des schon etablierten Filmfestivals hinaus ein großes afrikanisches Kulturfestival zu veranstalten. So stand in der Vorbereitung zuerst die Einwerbung neuer Finanzquellen im Vordergrund.

Parallel dazu wurde Schritt für Schritt das inhaltliche Konzept entwickelt.

Der Film 100% Dakar und mein Interesse an den Rappern und den Protestbewegungen in Afrika waren der Ansatzpunkt, um ein übergeordnetes Thema für das Festival herauszuarbeiten.

Dazu aktivierte ich meine Verbindungen zu den Rappern im Senegal, über die ich 2005 einen Dokumentarfilm gedreht hatte. Im Februar 2017 hatte ich in Dakar erste Vorgespräche und im Mai 2018 flog ich mit Michael erneut in den Senegal und besprach Auswahl der Künstler und Organisation mit Amadou Fall Ba vom Verein “Afroculturban” und mit vielen Künstlern selbst. Wir machten einen Zeitplan und eine grobe finanzielle Kalkulation.

Als kooperierende Institutionen in Hamburg gewannen wir schließlich das Gängeviertel, die Kampnagelfabrik und das Studio-Kino, für einmalige kleinere Film- und Diskussionsveranstaltungen das Alabama Kino, W3, M.Bassy.

Außerdem kooperierten wir mit der HipHop Akademie bei der Durchführung eines Begegnungsworkshops.

 

Durchführung

Eröffnung in der Fabrique des Gängeviertels.

Das Festival wurde am 15. September in der Fabrique des Gängeviertels eröffnet in Anwesenheit des Grafitti Künstlers “Docta” aus Dakar. Er ist der prominenteste Grafitti Künstler Senegals und wird im nächsten Jahr sein zehntes Grafitti Festival “Festi-graff” in Dakar veranstalten.

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Die Vorbereitungsgruppe„Augen Blicke Afrika“: von rechts: Cosima Conrad, Elisabeth Heinrich,Cathérine Menschner, Hans-Jörg Heinrich, Michael Hett, Ingrid Wernich, Rolf Denkewitz.

 

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Hans-Jörg Heinrich und Docta

 

Nach der Eröffnungsrede wurde das Orga-Team vorgestellt und es gab äthiopische Leckereien und Live Musik des Koraspielers Samba N’Daye und des Perkussionisten Yancouba Badji aus dem Senegal.

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In den folgenden 12 Tagen sprayte Docta an zwei Wänden im Eingangsbereich der Fabrique des Gängeviertels wunderbare inhaltlich engagierte Bilder, eines davon in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Sprayer “Imun”. Er arbeitete täglich von 10 Uhr morgens oft bis spät in die Nacht bei künstlicher Beleuchtung. Ständig kamen Menschen vorbei, guckten zu, manche diskutierten mit ihm über den Inhalt, über Spraystil und Farben seiner Arbeiten.

Am Ende lud er Imun ein, an seinem Festival im März nächsten Jahres teilzunehmen.

image6  7-10Docta und Imun im Gängeviertel

 

Für zwei Abende hatten wir in der Fabrique des Gängeviertels Konzerte mit Hamburger Musikern organisiert.

Das geplante Familienfest mit afrikanischem Essen am 22.9. fiel buchstäblich ins Wasser, da es pünktlich um 15 Uhr stark zu regnen begann, ein Novum dieses Sommers. Leider hatten wir keinen Plan für eine Verlegung des Festes nach drinnen gemacht. Erst als der Regen gegen Abend aufhörte, nahm die Veranstaltung Fahrt auf.

Toto Lightmanns Kinderchor brillierte vor etwa 40 Fans mit Soulklassikern und eigenen Liedern auf einer kleinen Bühne draußen. Anschließend ging es weiter mit der Bangoura Group, die mit Kora, Balafon und Djembe mit afrikanischen Rhythmen, brasilianischem Gesang und selbst entwickelten Tänzen das Publikum faszinierte. Der Abend klang aus mit heißen afrikanischen Rhythmen von DJ Bouba.

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Toto Lightman Kinderchor

 

Am 6.10. gab es dann die Kinshasa Nights in der Fabrique des Gängeviertels: Videoclips von den kongolesischen Congotronics, Afrobeat, Rumba, Reggae und HipHop.

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aus dem Video “Congotronics”

 

Der Höhepunkt war das Konzert der bekannten Musiker Bouba Fall und Christian von Richthofen, die unterstützt von Spontanauftritten anderer Musiker ein wahres Feuerwerk von Rhythmen und Gesang auf Trommeln und Trashinstrumenten entzündeten. Dies ging über in afrikanische funkige DJ- Musik, die dann immer wieder mit Liveeinlagen garniert wurde.

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Christian von Richthofen

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Bouba Fall

 

Veranstaltungsreihe auf dem Kampnagelgelände

Ein Höhepunkt unseres Festivals war die dreitägige Veranstaltungsreihe auf dem Kampnagelgelände unter dem Motto: PROTESTBEWEGUNGEN IN DEN KUNST- UND KULTURSZENEN WESTAFRIKANISCHER METROPOLEN vom 23.10. bis zum 25.10.

Afrikanische Aktivist*innen, Künstler*innen und Intellektuelle erörterten in Film, Vortrag, Panel, Raptheater und Konzert Möglichkeiten und Grenzen von Protestbewegungen angesichts der aktuellen politischen und sozialen Zustände in (West-)Afrika und entsprechende Zukunftsaussichten.
Der Dokumentarfilm “THE REVOLUTION WON‘T BE TELEVISED” von Rama Thiaw liefert eine über mehrere Jahre entstandene „Innensicht“ der senegalesischen Protestbewegung „Y’en a marre“ an der Schnittstelle zwischen Hip-Hop-Kultur und Politik. Im voll besetzten Alabama Kino diskutierten die Filmemacherin und Thiat, Rapper und einer der Protagonisten des Films über eine Stunde lang über die Rolle der sozialen Bewegungen im Senegal, die Kraft der Rapmusik für die Bewegung und ihre aktuelle politische Einschätzung sechs Monate vor den Wahlen.

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Rapper Thiat und Regisseurin Rama Thiaw aus dem Senegal

 

Für den folgenden Tag hatten wir den zur Zeit meist diskutierten Autor, Philosophen und Wirtschaftswissenschaftler Felwine Sarr aus dem Senegal zu Gast. Der Saal k2 war voll besetzt mit Interessierten aller Art.
In seinem Manifest “AFROTOPIA” fordert Sarr eine wirkliche Entkolonialisierung und ein Neudenken von Wirtschaft, Politik und Zusammenleben, abseits des westlichen, kolonial durchgesetzten Entwicklungsmodells und der imperialen Wachstumsphilosophie. An dem Abend erläuterte er die Entstehungsbedingungen seines Buches, das im Januar 2019 auch auf Deutsch erscheinen wird.

Felwine Sarr

 

Umrahmt wurde der Vortrag von einer äußerst spannenden multivisionellen Rapshow des Projektes »Journal Rappé« . Es ist ein Projekt der senegalesischen Rapper XUMAN und KEYTI. Sie machen mit schnell gerappten Wortsalven tagesaktuelle News aus Politik, Religion und Sport in satirischer Form kompatibel für ein breites Publikum. Sie haben jede Woche eine neue aktuelle Show in einem der großen TV Sender. Keyti war einer der ersten Rapper Senegals und ist aktiv seit den späten 80ger Jahren. Er stellte die Entwicklung ihres Projektes und der Rapmusik im Senegal in den historischen und politischen Zusammenhang des Landes. Der Stil der Show wurde bisher in mehreren afrikanischen Ländern kopiert und die beiden Rapper geben dazu auch entsprechende Workshops.

Ein Panel über die Möglichkeiten und Grenzen aktueller Protestbewegungen in Westafrika rundete den Abend ab. Felwine Sarr (Philosoph), Rama Thiaw (Filmemacherin) und Thiat (Rapper der Gruppe Keur Gui, Aktivist) diskutierten mit der Moderatorin Louisa Prause und gaben ihre z.T. unterschiedlichen Einschätzungen für die nächsten Präsidentschaftswahlen im Februar 2019 ab. Leider reichte der prall gefüllte Abend nicht aus, um die vielen Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Podiumsdiskussion auf Kampnagel

 

Den Abschluss der dreitägigen Veranstaltung bildete das Rapkonzert mit der angesagtesten senegalesischen Rapruppe Keur Gui und dem Matador Kollektiv. Mehr als zwei Stunden präsentierten beide Gruppen eine ausgefeilte Show und konnten das begeisterte Publikum zum Mitmachen animieren. Das letzte Stück wurde begleitet von Rappern und Breaktänzern der HipHop Academy Hamburg. In einem zweitägigen Workshop tauschten sie sich aus und erarbeiteten einen gemeinsamen Song.

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Keur Gui, Matador group & Redchild vor der Hip Hop Akademie

 

Keur Gui gelten als eine der sichtbarsten und engagiertesten Hip Hop Gruppen auf dem afrikanischen Kontinent. 2011/2012 waren sie maßgeblich an der Protestbewegung im Senegal beteiligt, was zur Abwahl des ungeliebten Präsidenten Abdoulaye Wade führte.

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Konzert von Keur Gui auf Kampnagel

 

Matador zählt seit über 20 Jahren zu den bekanntesten Rappern Senegals. Die Jugend von Dakar hört auf ihn. Er will die Migration nach Europa stoppen. Mit seinen Texten versucht Matador die senegalesische Jugend von einem Verbleib in Afrika zu überzeugen.
Die HipHop Academy Hamburg bietet ein Trainingsprogramm in allen wichtigen Disziplinen der HipHop Kultur.

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Konzert von Matador mit DJ Mat Killa auf Kampnagel

 

7. Afrikanisches Filmfestival

Den letzten Teil unseres afrikanischen Festivals bildete das mittlerweile zum siebten Mal organisierte Filmfestival mit einer Auswahl von 31 Filmen aus 22 Ländern des großen vielfältigen Kontinents.
Eröffnet wurde unser Festival wie immer mit afrikanischer Livemusik und gutem Essen und Trinken. Nach der Eröffnungsrede von Hans-Jörg Heinrich gab unsere diesjährige Schirmfrau Ilsemargret Luttmann, Dozentin der Unis Lüneburg und Hamburg, eine Innenschau der Protestbewegungen in der Kunst- und Kulturszene in einigen afrikanischen Ländern.

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Hans-Jörg Heinrich, Hawa Essuman, Jordan Riber, Schirmfrau Ilsemargret Luttman

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Wir freuten uns, drei der Filmemacher unseres Festivals begrüßen zu können: nämlich Eddy Munyaneza aus Burundi, Jordan Riber aus Tanzania und Hawa Essuman aus Kenia. Diese haben dann ihre Filmvorführungen an den Folgetagen begleitet und an der Podiumsdiskussion teilgenommen.

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Hans-Jörg Heinrich, Hawa Essuman, Jordan Riber Eddy Munjanez

 

Der Eröffnungsfilm “Silas” zeigt den unermüdlichen Kampf des Umweltaktivisten Silas in Liberia, der mit einer Gruppe von Aktivisten und der einheimischen Bevölkerung lange Kampagnen gegen die Abholzung der Urwälder organisierte. Silas fordert korrupte Eliten heraus, er mobilisiert die ländliche Bevölkerung und will sich politisch aktiv im Parlament einbringen.

Im Anschluss an den Film gab es eine längere Diskussion über die Entstehungsgeschichte des Films mit der anwesenden Regisseurin Hawa Essuman.

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Silas

 

Einige Filme des Festivals greifen das Oberthema Demokratisierungsprozesse in afrikanischen Ländern auf. Die Dokumentarfilme “Kinshasa Makambo! aus dem Kongo und “Lendemains Incertains” aus Burundi zeigen aus sehr persönlicher Sicht die Kämpfe junger Aktivisten gegen die korrupten Eliten ihrer Länder.
Der anwesende Filmemacher Eddy Munyaneza stellte sich anschließend den Fragen des Publikums und beantwortete auch sehr persönliche Fragen. Er musste auf Grund der Kritik des Films am Präsidenten und dem korrupten politischen Systems mit seiner Familie aus dem Land fliehen. Und selbst in einem Land wie Senegal fühlte er sich nicht mehr sicher, da er von dort anwesenden Vertretern der burundischen Regierung beobachtet und verfolgt wurde.

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Der Film “Burkinabé Rising” knüpft nicht nur daran an, wie 2014 in Burkina Faso vornehmlich durch massive Jugendproteste der langjährige Präsident Blaise Compaoré zurücktreten musste. Er zeigt auch, dass dieser Erfolg Kräfte freigesetzt hat, die in vielfältigen Kunst- und Musikprojekten zum Ausdruck kommen.

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Aber auch in leichteren komödiantischen Filmen machten Filmemacher*innen auf die desolaten Zustände in ihren Ländern aufmerksam. Der ägyptische Film “Ali, the Goat and Ibrahim” ist ein turbulenter und skurriler Trip quer durch Ägypten. In “Djon África” taucht der Protagonist Miguel, als Rapper unter dem Namen „Tibars“ bekannt, von einer leisen Melancholie begleitet ein in die Inselwelt der Kapverden, auf der Suche nach seinen Wurzeln. Der nigerianische Film “Hakkunde – Welcome to Lagos” zeigt mit viel Humor und Musikuntermalung den Kampf um Selbstverwirklichung und verdeutlicht, was es heißt, zur jungen Generation im heutigen Nigeria zu gehören.

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Ali, the Goat and Ibrahim

 

Dass in Afrika auch die Entwicklungsgeschichte der Musik und der Musiker nicht ohne soziale und politische Kämpfe denkbar ist, zeigen die Filme “Jazzman” aus Ägypten, “Sounds of The World: Mauritius” und aus Mali Manthia Diawaras “An Opera of the World”.
Im Anschluss an den Film “Jazzman” diskutierte das Publikum auch kurz vor Mitternacht noch mit dem angereisten Regisseur Atef Ben Bouzid die die Schwierigkeit, in einem repressiven Land wie Ägypten Jahr für Jahr ein Jazzfestival mit internationalen Künstlern zu organisieren, dessen Musik für individuellen Ausdruck, Freiheit und Kreativität steht.

Den informell vergebenen Publikumspreis erhielt der wunderbare kongolesische Film “Maki’la”. Mit seinen sehr authentisch agierenden Protagonisten konnte das Publikum das äußerst harte Leben einer Gruppe von Straßenjugendlichen in Kinshasa drastisch miterleben. Die Dramatik der Geschichte, die raue Opulenz der Drehorte, die Street Credibility der Darsteller sind markante cineastische Statements des Films. Nach einer kurzen Diskussion des Publikums untereinander verließen alle sehr nachdenklich den Kinosaal.

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Maki’la

 

Publikumsrenner waren erwartungsgemäß die beiden Filme “Rafiki” und “Welcom to Sodom”. Beide wurden in der deutschen Presse besprochen, haben einen deutschen Verleih und liefen schon auf Festivals bzw. im deutschen Kino.

“Rafiki” ist die tragische Geschichte zweier Mädchen in Kenia, die sich unschuldig ineinander verlieben und durch die große Intoleranz der traditionellen kenianischen Denkweise scheitern mussten.

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Rafiki

 

“Welcom to Sodom” ist eine einfühlsame Bestandsaufnahme des Überlebens tausender Menschen auf der weltgrößten Elektroschrott-Müllhalde am Rande von Ghanas Hauptstadt Accra. In ruhigen Bildern zeigt der Film, mit welchen Mitteln die Menschen den Elektroschrott sammeln, wie sie dort leben, welche Hoffnungen und Wünsche sie trotzdem noch haben.

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Podiumsdiskussion

Zu einer zweistündigen Podiumsdiskussion hatten wir drei Filmemacher*innen eingeladen, zum Thema: “Filmemacher*innen greifen ein in politische und alltägliche Auseinandersetzungen.” Wir wollten von ihnen erfahren, wie sie sich als Filmemacher in politischen Auseinandersetzungen verhalten, wie sie ihre Rolle z.B. auch in politische schwierigen Situationen sehen.

Es diskutierten unter der kompetenten Leitung von Claudia Simons, Leiterin Referat Afrika, Heinrich-Böll-Stiftung, die drei Filmemacher*innen
Hawa Essuman, Liberia, Benin, Regisseurin mit dem Umweltfilm Silas
Jordan Riber, Tansania, Regisseur, Autor und Produzent mit dem sozial-politischen Film Fatuma
Eddy Munyaneza, Burundi/ Frankreich, Filmemacher und Kameramann mit dem   politisch direkt eingreifenden Film ‚Lendemains incertains’.

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Die Leitfrage der Diskussionsrunde war, ob und inwieweit die Podiumsgäste nur Filmschaffende oder auch politische Aktivisten seien, was sie mit ihren Filmen erreichen wollten und wie es möglich sei, unter den schwierigen Bedingungen vor Ort die Filme zu drehen.

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Claudia Simons, Eddy Munjaneza, Hawa Essuman, Jordan Riber

 

Hawa Essuman war der Meinung, dass Politik im Privatleben nicht negiert werden kann, wenn überall auf der Welt internationale Konzerne den Lebensraum der Landbevölkerung mit Planierraupen für den Anbau von Palmöl und Soja zerstören, und das mit angeblicher Erlaubnis der Regierung. Das hat dann weitreichende Konsequenzen, die ihr ernsthafte Sorgen bereiten. Ihr Film SILAS zeigt, wie der Umweltaktivist durch hartnäckige Information und Aufklärung für die Ansprüche und Rechte der Landbevölkerung gekämpft und sie durchgesetzt hat.
Sie möchte größtmögliche Aufmerksamkeit erzielen, neben umfassender Aufklärung Verhandlungen zwischen der Regierung, den internationalen Konzernen und der betroffenen Landbevölkerung initiieren.

Jordan Riber sieht sich nicht als politischer Aktivist.
In seinen Filmen erzählt er Geschichten, mit deren Protagonisten sich die Zuschauer identifizieren können, zeigt Missstände auf und regt mögliche Veränderungen an. Er möchte seine Filme ohne größere Risiken fertigstellen können und ein möglichst breites Publikum erreichen.

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Hawa Essuman, Jordan Riber

 

Eddy Munjaneza wäre gern Aktivist, sehe zurzeit aber leider keine Möglichkeit in das politische Geschehen Burundis einzugreifen.
Er habe sich bewusst für den politischen Film entschieden. Er begann seine Dokumentation mit persönlichem Engagement und wollte sich in seinem Film ursprünglich über die langjährige Tradition des Trommelns mit den historischen Wurzeln und der Identität der Afrikaner auseinandersetzen.
Während der Dreharbeiten wurde er Zeuge der verheerenden Folgen des Bürgerkrieges in Burundi und begann für sein Land zu kämpfen.
Jetzt möchte er zuallererst mit seinen Filmen die Menschen in Burundi und die 400.000 Flüchtlinge erreichen, die das Land während des Bürgerkrieges verlassen mussten.

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Eddy Munjaneza

 

Auf die Frage aus dem Publikum, worin sich der anfänglich erfolgreiche Protest in Burundi zu der Situation heute unterscheide, antwortete Eddy Munyaneza , dass sich in Burundi seit Jahren die politische Krise und humanitäre Katastrophe zuspitze und in den europäischen Medien wenig Aufmerksamkeit erfahre. Mit der Bestätigung der dritten verfassungswidrigen Amtszeit von Pierre Nkuruziza in 2015 und nach dem gescheiterten Putschversuch habe die Regierung dem demokratischen Wandel eine Absage erteilt und verletze seither das Recht auf Meinungs- und Medienfreiheit. Außerdem habe die Opposition größtenteils das Land verlassen müssen. Das lähme die frühere Aktivität und Kraft der Revolution.
Seine Filme dürfen nicht auf allen afrikanischen Filmfestivals gezeigt werden und werden in Burundi auf Youtube geblockt.
Er sei dankbar für die Möglichkeiten, im Senegal arbeiten und seine Filme zeigen zu können.

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Claudia Simons bat das Podium um eine Einschätzung zum zunehmenden Einsatz der neuen Medien auf das Filmemachen. Das Podium betrachtete die Entwicklung als sehr erfreulich und als einen Beitrag zur Demokratisierung der Technologie. Inzwischen werden die Portale im Internet von einer Vielzahl guter Videos nahezu überschwemmt. Es sei allerdings nicht leicht das Überangebot zu überschauen.

Die drei Filme aus Liberia, Tansania und Burundi zeigten exemplarisch für Afrika auf verschiedene Art die Probleme, aber auch realistische Lösungsansätze und Erfolge der jeweiligen Länder anschaulich auf. Sehr beeindruckend war es zu erfahren, welchen Herausforderungen sich die Filmschaffenden bei ihrer Arbeit stellen müssen und unter welchen teils sehr schwierigen Bedingungen die Filme zustande gekommen sind. Trotz aller Hürden leisten die Filmschaffenden einen beachtlichen Beitrag zum Umbruch in Afrika.
Das Publikum war dankbar für die durch das Filmfestival “Augen Blicke Afrika“ neu gewonnenen Erkenntnisse.

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Ingrid Wernich, Hans-Jörg Heinrich. Eddy Munyaneza

 

Öffentlichkeitsarbeit

Das Festival wurde durch Programmhefte, Plakate und eine intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beworben. Bereits im Vorwege des Festivals wurde eine Werbepostkarte in Umlauf gebracht, die auf das bevorstehende Event hinwies. Das Verteilen der Werbepostkarte bei diversen Veranstaltungen sowie das Plakatieren übernahm die Vorbereitungsgruppe selbst.

Das Medienecho war positiv, verlagerte sich jedoch mehr auf Online-Portale. So gelang es uns über das Online-Portal hamburg.de einen großen Verteiler und Leserkreis zu erreichen. Dazu kamen Postings auf verschiedenen Webseiten von taz bis Afrika-Verein Hamburg. Eine intensive facebook-Präsenz sowie der umfangreiche private Mailverteiler hatten für eine weitere Verbreitung gesorgt.

Mit dem jährlichen Auftritt im Frühcafe auf HH1 erreichten wir auch Zuschauer, die sonst wenig mit Afrika zu tun haben. Gern hätten wir mehr Präsenz im Radio gehabt, was sich aber nach wie vor als schwierig herausstellt. Lediglich im Radio von Tide in der Sendung „Radio Triangula“ wurde unser Festival vorgestellt.
Erneut ließen wir eine filmische Dokumentation der Podiumsdiskussion erstellen, um Ergebnisse zu sichern, Eindrücke einzufangen und Werbung für eine Fortsetzung des erfolgreichen Festivals zu machen.

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Fazit

Die starke Erweiterung unseres Filmfestivals zu einem afrikanischen Kulturfestival hat unsere Kräfte als ehrenamtlich arbeitendes kleines Team manchmal überfordert. Aber mit viel Spaß und großer Energie stellten wir ein spannendes und vielfältiges Festival auf die beine, das viele Highlights hatte.
Besonders muss die dreitägige Veranstaltungsreihe auf dem Gelände von Kampnagel hervorgehoben werden.
Die Zusammenarbeit mit den senegalesischen Rappern und Aktivisten sowie mit dem zur Zeit meist diskutierten Denker Afrikas, dem Autor und Wissenschaftler Felwine Sarr, hatte ein großes Publikum angezogen und eine Informationslücke bezüglich der politischen und sozialen Situation in Teilen Afrikas geschlossen. Das große Interesse ruft nach Fortsetzung, zumal auch eine große Gruppe von Studenten der Unis Lüneburg und Hamburg anwesend waren und an den Themen weiter arbeiten.
Auch das in 12 Tagen gesprayte Wandbild im Gängeviertel hinterlässt dauerhaft eine Spur.
Die Programmhefte für unser anschließendes Filmfestival waren auch auf diesen Veranstaltungen heiß begehrt und trugen vermutlich zur Belebung unseres Filmfestivals bei.
Wir registrierten beim mittlerweile 7. Filmfestival viele neue Gesichter. Auffällig war, dass viele Menschen eine Vielzahl der Filme ansahen und im Anschluss mit diskutierten.
Ein guter Ansatz war weiterhin, lokale afrikanische Künstler mit in das Festival einzubeziehen. Es waren überwiegend Musiker, die auf der Eröffnung und bei den Partys im Gängeviertel auftraten. Eine Zusammenarbeit zwischen afrikanischen und deutschen Künstlern bei der Erstellung des Wandbilds und beim zweitägigen Workshop in der Hip-Hop-Akademie gestaltete sich schwieriger. Von Seiten der deutschen Künstler gab es einige Vorbehalte aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsweisen. Während deutsche Künstler eine längere Vorbereitungsphase mit Ausarbeitung von Konzepten und vorherigen Absprachen gewohnt sind, arbeiten afrikanische Künstler eher spontan und entwickeln Konzepte gern gemeinsam vor Ort. Das führte dazu, dass nur wenige deutsche Künstler an den gemeinsamen Projekten teilnahmen. Es folgte jedoch eine Einladung an die teilgenommenen deutschen Sprayer zum 10. “Festigraff” im März 2019 nach Dakar.

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Hamburg Tour mit unseren Gästen

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Unsere senegalesischen Hip Hopper in Hamburg unterwegs

 

Hans-Jörg Heinrich, Hamburg, 16.1.2019