Grußwort

Grußwort

DaniEines Tages fragte ein Kind seinen Großvater: „Warum ist es in den Märchen immer so, dass der Jäger den Löwen ­besiegt?“ Der alte Mann antwortete ohne zu zögern: „Weil es der Jäger ist, der diese Märchen erzählt. Wenn der Löwe seine ­Geschichten erzählen würde, würde er auch gewinnen”.

Die Geschichte Afrikas ist wie die des Löwen. Machen Sie den Test: Stellen Sie den Europäern folgende Frage: „Wenn Sie das Wort Afrika hören, was kommt Ihnen sofort in den Sinn?“ Mit ­Sicherheit werden Krieg, Hungersnöte, Epidemien, Diktaturen, Flüchtlinge genannt – nichts Positives, nichts Erfreuliches.
Das ist das Bild, das von den westlichen Medien transportiert wird. Dennoch hat auch Afrika seine schönen Geschichten, das Lachen, die Hoffnung, Solidarität und Groß­zügigkeit. Kennen Sie die „Charta der Mandingo“, die Deklaration der Menschenrechte des Mandingo-Reiches in Westafrika aus dem 13. Jahrhundert, die schon 500 Jahre vor der westlichen Erklärung der Menschenrechte existierte?
Kennen Sie das „Ubuntu“ – eine Bantu-Weisheit, die jeden Menschen daran erinnert, dass er nichts ist ohne die anderen? Wussten Sie, dass sich Nelson Mandela und seine ­Gefährten auf diese afrikanische Weisheit berufen haben, um die Schwarzen und die Weißen dazu zu bringen, sich nach so vielen Jahren des Hasses in Südafrika zu umarmen?
Afrika hat der Menschheit noch vieles zu geben, wenn man nur endlich zuhören würde und aufhören würde, die Geschichte Afrikas aus westlicher Sicht zu erzählen.
Der französische Fußballer Lilian Thuram von den Antillen sagte: „Wenn wir unsere ­Gesellschaften ändern und gegen den Rassismus kämpfen wollen, müssen wir zunächst daran arbeiten, unsere eigenen Vorstellungen und Trugbilder zu verändern.“
Das Kino ist ein idealer Ort für diese Arbeit, Filme sind die besten Übermittler von Träumen.
Und euer Festival „Augen Blicke Afrika“ ermöglicht es, dass die Afrikaner ihre Geschichte und Geschichten mit eigener Stimme erzählen können.
Ich bin glücklich über die Möglichkeit, meine Filme dem Hamburger Publikum zu zeigen, um mit den Zuschauern in einen Dialog zu treten.
Ich danke den Festivalmachern für die Ehre, für 2015 die Schirmherrschaft ausüben zu dürfen.
Ein schönes Festival!
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